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Reduktion auf das Komplexe

Sie reduzieren Komplexes auf drei Striche und wenige Worte: Mikael Krogerus und Roman Tschäppeler geniessen dank ihren Beiträgen in «Das Magazin» und ihren internationalen Bestsellern zu Themen wie «Entscheiden» oder «Zusammenarbeiten» Aufmerksamkeit. Am 11. Juni sind sie mit einer Keynote zum Thema ihres erst im kommenden Herbst erscheinenden Buchs «Umdenken» am SwissFundraisingDay in Bern dabei.
Mikael und Roman, ihr seid am diesjährigen SwissFundraisingDay am 11. Juni in Bern – wie schon so oft an grossen Anlässen – mit Wandtafel und Kreide unterwegs und erklärt dem Publikum die Welt. Ist diese analoge Wissensvermittlung nicht etwas aus der Zeit gefallen?
Auf jeden Fall. Aber unsere Erfahrung ist, dass im Zeitalter der Total-Digitalisierung, der Linkedisierung, des KI-Overkills eine vorsichtige Rückkehr der Kreidezeit durchaus etwas hat. Wir mögen das Langsame, Vertraute, Haptische der Wandtafel – und die Zuschauerinnen und Zuschauer auch. Es ist ja nicht so, dass sich Menschen nach der Pandemie weiterhin nur online trafen, den SwissFundraisingDay gäbe es sonst nicht mehr.
Seit Jahren stellt ihr aus ganz verschiedenen Quellen spannende Modelle zusammen, die es Menschen im Alltag – beruflich oder privat – erleichtern sollen, über Dinge nachzudenken, Entscheide zu fällen oder gewisse Muster besser zu verstehen. Wie seid ihr zu dieser Aufgabe gekommen, und wieso macht ihr das so gern?
Vieles geht zurück auf unsere Studienzeit an der Kaospilot School in Dänemark vor über zwanzig Jahren. Wir wollten das Gelernte nicht vergessen und hielten es in Diagrammen und kurzen Texten in einem kleinen Büchlein fest, das wir dann bei Kein & Aber herausgaben («50 Erfolgsmodelle»). Völlig unerwartet wurde daraus ein Weltbestseller («The Decision Book»). Und dann merkten wir, dass die Darstellung in Matrizen, X/Y- Modellen und Diagrammen eine Art Universalsprache ist, mit der man Theorien und Frameworks aus fast allen Bereichen darstellen und besprechen kann. Die Neugierde am Verstehen und Lernen ist geblieben. So gab es immer mehr Bücher zu schreiben und zu zeichnen.
Ihr schreibt Kolumnen und Bücher und geht dann auf Bühnentournee. Was macht denn mehr Spass, das Schreiben oder das Reden?
Das Schreiben ist die Pflicht, das Präsentieren die Kür.
Wie ist aus dem Schweizer und dem Finnen denn ein Duo geworden, das uns mit seinen Ratgebern sozusagen Auswege aus dem Chaos aufzeigt?
Ehrlich gesagt schreiben wir die Bücher für uns selbst: Wir sind eher schlechte Entscheider, wir prokrastinieren und stolpern durch Projekte, leiden unter Vorgesetzten, verplempern unsere Zeit auf Social Media wie andere auch und sagen uns: Da muss es doch Hilfsmittel oder Auswege geben. Wir sind also auch ein Selbsthilfe-Duo.
Der SwissFundraisingDay widmet sich in unsicheren Zeiten immer wieder der Frage, wie Fundraiser:innen mit der Tatsache umgehen können, dass sich die Welt gefühlt nicht mehr in Jahren und Jahrzehnten, sondern in Stunden und Minuten verändert. Wie geht ihr persönlich mit diesen Zeiten und ihren Herausforderungen um?
Indem wir hie und da versuchen, ein bisschen das Tempo zu drosseln. Deshalb mögen wir auch alte Werkzeuge wie die Wandtafel.
Gibt es – auch wenn sich eure Keynote explizit nicht um Fundraising dreht – einen Bezug von Tschäppeler/Krogerus zum Thema Spenden?
Es gibt den schönen Satz: Charakter erkennt man daran, wie du Menschen behandelst, die nichts für dich tun können. Ähnlich ist es auch mit dem Spenden: Was findest du wichtig, auch wenn du selbst nicht davon profitierst?
Was macht ihr, wenn ihr nicht gerade Bücher schreibt oder auf Bühnen auftretet?
Roman spielt Tennis, Mikael fährt Ski.
Wann kommt euer nächstes Buch?
Diesen Herbst. Es heisst «Umdenken», und beim SwissFundraisingDay werden wir eine Art Werkstatteinblick in das Thema geben.
Mikael Krogerus und Roman Tschäppeler
Der gebürtige Finne Mikael Krogerus studierte in Berlin Politologie, arbeitete für einen TV-Sender in New York und für das «NZZ Folio» in Zürich. Seit 2015 ist er Redaktor bei «Das Magazin» und wurde für seine Porträts und Reportagen unter anderen mit dem Deutschen Reporterpreis und dem Grimme Online Award ausgezeichnet.
Der Berner Roman Tschäppeler studierte in Zürich Trends & Identity an der Hochschule der Künste. Mit seinem Atelier guzo gestaltet er seit über zwanzig Jahren Projekte zwischen Kultur und Kommerz, unter anderem Dokumentarfilme, Multimediainstallationen und Kochbücher. Zudem berät und unterstützt er Firmen, Stiftungen und Start-ups bei Spezialprojekten.
Kennengelernt haben sich Krogerus und Tschäppeler 1999 an der der dänischen Hochschule Kaospilot und sind seither Studienfreunde, Berufspartner und Feinde beim Backgammonspielen.
